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Taufwasser für die Bäume auf der Insel im Schlossweiher von Schloss Benrath

Düsseldorf: Die gartendenkmalpflegerische Zielstellung bzw. Konzeption des Büros L-A-E Landschaftsarchitektur Ehrig sah vor, auf der erodierten und durch den Sturm Ela in 2014 verwüsteten Insel zwei neue Bäume zu pflanzen.

Düsseldorf: Die gartendenkmalpflegerische Zielstellung bzw. Konzeption des Büros L-A-E Landschaftsarchitektur Ehrig sah vor, auf der erodierten und durch den Sturm Ela in 2014 verwüsteten Insel zwei neue Bäume zu pflanzen.

Die Insel wurde im Jahr 1843 von Peter-Josef Lenné, Maximilian Friedrich Weyhe und Josef Kürten als landschaftliches Element in die Benrather Barockanlage eingebracht. Es war die Zeit als viele barocke Parkanlagen der neuen Mode des Landschaftsgartens gemäß überplant wurden. In Benrath hat sich die barocke Parkanlage weitestgehend erhalten, nur einzelne Elemente, wie die Insel, wurden im landschaftlichen Stil in die Barockanalge eingefügt.

Die Insel war eine zeittypische Interpretation und Variation über das Thema der Rousseauinsel, wie sie sich in vielen Landschaftsparks noch heute  finden lässt. Vorbild und Anlass für dieses Gartenbild war die „Île des peupliers“ (deutsch: Insel der Pappeln) im Park von Ermenonville. Diese Insel wurde kreisrund angelegt und mit einem Ring aus Pappeln bepflanzt. Diese Bäume umgeben eine Zierurne oder einen Zenotaph in der Mitte der Insel. RousseausInseln sind in diesem Sinne Scheinfriedhöfe und verdeutlichten nicht selten die Sympathien der Parkeigentümer mit den Ideen der Aufklärung.

Die Variation über die Rousseau-Insel von Schloss Benrath ist mit 60 m² relativ klein und hat weder eine Zierurne noch einen Baumring zu bieten, und doch ist sie von einer besonderen eigenständigen Interpretationsleistung geprägt. Im Landschaftsgarten sind viele Gartenbilder symbolisch zu verstehen, der Garten wurde in dieser Zeit zu einem Tempel der Humanität, der den Besucher, der imstande war die Symbole zu lesen, anleiten und unterrichten sollte, in sich zu gehen und die Gesetzmäßigkeiten des Lebens, durch die Gartenbilder dargestellt, zu begreifen und zu erleben.

Die Symbolik der Insel im Schlossweiher der Parkanlage von Benrath lässt sich als Toteninsel deuten, die nur durch das Überqueren des Wassers (ein Symbol für das Sterben) zu erreichen ist. Die Insel selber ist ein von Norden nach Süden gestrecktes Oval (der Kreis und die Eiform als Sinnbild für das im Kreis laufende Leben), wobei auf der südlichen Seite des Ovals eine dem Himmel emporragende Säulenpappel steht und auf der Nordseite eine dem Wasser zugeneigte Trauerweide. Die Pappel steht im Süden, dort wo die Sonne im Zenit steht und das Leben sich auf dem Zenit seiner Kraft befindet. Die Pappel verdeutlicht die Unsterblichkeit der Seele, die dem Himmel emporstrebt mit dem Verlangen das Licht zu sehen. Die Trauerweide hingegen ist symbolisch von Dunkelheit umgeben, weshalb sie auf der Nordseite der Insel steht. Mit der Pappel bildet die Trauerweide mit ihren zum Wasser heruntergeneigten Ästen und Blättern ein Gegensatzpaar und stark kontrastierendes Bild. Auf der nördlichen Seite steht also die Vergänglichkeit, sonnenabgewandt, dem Leben abgewandt, niedergeschlagen und trauernd und auf der anderen Seite das aufwärtsgerichtete, optimistische und der Sonne zugewandte unsterbliche Dasein der Seele. Diese beiden Gegenpoole vereinen sich auf der Insel als zwei Seiten des einen Lebens. Eine in dieser Form mit Bedeutung aufgeladene Insel benötigt weder eine Zierurne noch einen Zenotaph und ist unter den Rousseau-Inseln sicherlich eine Variation von besonderer Eigenständigkeit.

Deshalb wäre es schade gewesen, wenn situative gesellschaftpolitische Strömungen die Pflanzung der Pappel verhindert hätten. Die Pappel kam in den Wirren der letzten Kriegsjahre abhanden und wurde in der Nachkriegszeit aus naheliegenden Gründen nicht ersetzt. In den 1980er Jahren, als wieder eine Auseinandersetzung mit dem Schlosspark stattfand, war das Bestreben, die  landschaftlichen Elemente auszulöschen und den Park von Schloss Benrath wieder zu einem stilreinen Barockpark umzubauen.  

Veröffentlicht am:
15.12.2016

Autor:
Ehm Eike Ehrig

Herausgeber:
L-A-E LandschaftsArchitektur Ehrig

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