Kreis Paderborn | 1994 | 10.000 m²

Wiederherstellung Barockgarten Schloss Neuhaus, Paderborn

Bauherr des Barockgartens war Fürstbischof Clemens August von Bayern (1700 - 1761). Für die Anlage des Gartens wurde der berühmte Gartenkünstler Hofkammerrath Hatzel aus Wien hinzugezogen (1725). Als Grundlage der Rekonstruktion diente eine authentische Bestandsaufnahme, die als farbiger Lageplan 1753 von dem Geometer Phielip Sauer gefertigt wurde. Die Übersetzung des zeitgenössischen Fußmaßes in unser heutiges metrisches Maß gelang nach Sichtung aller Quellen der verschiedenen Zeitabschnitte bis hin zum Urkataster. Das Fußmaß wurde mit 0,296 m (Wiener Fußmaß) ermittelt. Die Länge der Haupt- und Nebenachsen sowie unterstützende gartendenkmalpflegerische Grabungen zur Auffindung der Gräftenumrisse bestätigten vor Ort diese Maßeinheit. Mit Beginn des 19. Jahrhunderts und der Säkularisierung verfiel der Garten in wenigen Jahren. Fast zwei Jahrhunderte wurde die Schloßinsel als Militärstandort genutzt und verändert. Bauliche Anlagen wie das Bürgerhaus und die Schulen lassen eine vollständige Rekonstruktion des Schloßgartens nicht zu. Mit der Teilrekonstruktion konnten nur bestimmte Grundstrukturen des barocken Gartens authentisch wiederhergestellt werden: Die das Wasserschloß umschließende Gräfte, die seitlichen Rasengürtel mit den begleitenden Wegeachsen und Lindenalleen sowie das Parterre à l’angloise mit englischen Einflüssen, das neben buxusgefaßten Blütenrabatten, vegetablen Broderieausschmückungen, Kiesflächen und Fontänenbrunnen auch Rasenflächen in das Parterre integriert. Mit einer eindeutigen baulichen Zäsur wurde die Grenze der authentische Rekonstruktion vor dem Bürgerhaus gezogen. Die Ausläufer der Parterrerabatten wurden zur Nachvollziehbarkeit als Bodenmarkierung mit Basaltpflaster nachgebildet. Die Mittelachse des Gartens endet vor einer senkrechten Spiegelwand, die der Hauptachse wieder Ziel und doppelte Tiefe verleiht. Der Wasservorhang mit einem  Brunnenbecken vor der Spiegelwand und der Oktogongrundriß des „Brunnentheaters” transponieren die Idee der ehemaligen Mittelfontäne.

 

Das Herzstück des Barockgartens ist heute wie damals das Parterre à l’angloise, ein Parterre mit englischen Einflüssen, das neben buxusgefaßten Blütenrabatten, vegetablen Broderieausschmückungen, Kiesflächen und  Fontänenbrunnen auch Rasenflächen in das Parterre integriert.

 

 

Weitere Projekte